Die Serie “Leben im UK als Deutscher” ist eine Gastbeitrag-Reihe von Julia, die normalerweise auf 49suns.de schreibt. Derzeit lebt sie in Edinburgh und von dort berichtet sie über ihre Erfahrungen auf der Insel.
Ich wohne nun schon fast ein halbes Jahr in Schottland und möchte ich Euch endlich mal am täglichen Leben hier lassen. Es gibt kaum große, aber viele, kleine Unterschiede, die mir auffallen und die möchte ich in einer neuen Beitragsserie vorstellen. Inspiriert wurde ich von einem Erlebnis, das mich beinahe in die Verzweiflung getrieben hat. Es geht um Milch. Man könnte denken, das ist in Europa alles ähnlich, aber er gibt gewaltige Unterschiede! Bevor wir ins proteinliche Detail gehen, beschäftigen wir uns zunächst mit dem Empire.
Ja, hier wird häufig noch in imperialischen Maßen gerechnet. Vor zehn Jahren war es viel schlimmer, da musste man schon Glück haben, dass auf der Packung die Angabe in ml ebenfalls angegeben wurde. Mittlerweile ist diese Angabe zwingend notwendig (meine ich), aber es gibt meist noch in Klammern oder in kleiner Schrift die Menge in fl oz (1 fluid ounce = 28,4 ml). Damit einhergehend haben sich auch die Packungsgrößen angepasst, d.h. Sahne wird z.B. im 300 ml Becher verkauft und nicht als 10 fl oz (= 284 ml). Zur Sahne komme ich in einem gesonderten Eintrag noch einmal zurück (und warum ich gestern fast verzweifelte).
Frischmilch hingegen wird immer noch in Pintgrößen verkauft und zwar in allen erdenklichen: ½ 1, 2, 3, 4, 6 Pint. Der Grund ist, dass es billiger wird, je mehr man kauft. Außer für Extremtrinker und Großfamilien ist es aber extrem unpraktisch, 3½ Liter-Kannen zu kaufen und so bezahlt man eben mehr.
Der nächste Unterschied betrifft den Fettgehalt. Es gibt hauptsächlich semi skimmed (fettarm) und skimmed (fettfrei), kaum whole (Vollmilch). Vor zehn Jahren, als ich zum ersten Mal hier wohnte, habe ich das sehr befremdlich gefunden und es war mir unverständlich wie man “gefärbtes Wasser” trinken kann. Mittlerweile nehme ich nur noch semi-skimmed…
Und ich nutze praktisch nur H-Milch. Die heißt hier UHT (ultra-heat treatment) und ist eher unüblich, weil es eben dank der verschiedenen Packungsgrößen seltener vorkommt, dass Milch schlecht wird. Ein weiterer und völlig unlogischer Grund ist bzw war der höhere Preis! Mittlerweile ist der Preis vergleichbar, aber die Einkaufsgewohnheit hat das noch nicht mitbekommen. Kurioserweise wird H-Milch in 1 Liter-Tetrapaks verkauft und nicht in Pint-Einheiten wie die Frischmilch. Des weiteren wird sie oft im Backregal versteckt und man muss echt suchen, weil es immer nur ein paar gibt. In “meinem” Supermarkt gibt es zum Glück Sechserpacks, die ich nehme, weil dann der Liter 10p billiger ist.
Auf die Eigenart, dass der Milchmann jeden Morgen Milch in Glasflaschen vorbeibringt, gehe ich nicht ein, denn das ist erstens kaum noch üblich und in der Großstadt sowieso nicht.