Die Serie “Leben im UK als Deutscher” ist eine Gastbeitrag-Reihe von Julia, die normalerweise auf 49suns.de schreibt. Derzeit lebt sie in Edinburgh und von dort berichtet sie über ihre Erfahrungen auf der Insel.

Dieses urbritische Thema wollte ich schon sehr lange behandeln und da es mittlerweile persönlich aktuell geworden ist, ergreife ich die Gelegenheit. Doch fangen wir von vorne an.

Wer sich einmal auf die Insel verirrt hat und sich die Läden genauer angesehen hat, dem wird aufgefallen sein, dass es sehr viele sogenannte Charity Shops gibt. Auch in Büchern, Filmen und Serien wird oft auf “Oxfam Shops” hingewiesen. Diese Läden basieren darauf, dass man ihnen Kleidung, Bücher, Krimskrams, und was nicht alles spendet, das sie dann verkaufen. Es sind vor allem Krebs- bzw. Krankheits-Forschungs- Wohltätigkeitsorganisationen, aber auch Organisationen für Obdachlose, christliche Vereine und das besagte Oxfam sind dabei. Und dass Recycling hierzulande erst langsam in Schwung kam, ist (angeblich) auf diese Charity Shops zurückzuführen.

Im gleichen Tätigkeitsbereich gibt es jedes Jahr die Aktionen Children in NeedRed Nose Day (März), wo während eines Telethons ((Doctor Who Fans werden diesen beiden Veranstaltungen kennen, da kleine extra Sketche aufgenommen werden, um die Spendenbereitschaft zu erhöhen.)) und mit Spezialangeboten in Supermärkten und mehr oder weniger verrückten Aktionen von Schulklassen, Privatpersonen, Bürogemeinschaften und überhaupt dem ganzen Land Geld gesammelt wird. Es ist üblich, dass es einen Kuchenverkauf gibt und die Bereitschaft zu spenden ist sehr weit verbreitet und selbstverständlich. In Deutschland werden jährlich um die 3 Milliarden Euro gespendet, während es hierzulande um die 10 Milliarden Pfund sind. Das ist beachtlich, wenn man die geringere Bevölkerung und den höheren Wert der Währung bedenkt (Quellen: UK, D).

Pudsey Bear and Red Noses

Pudsey Bear and Red Noses



Des Weiteren gibt es sehr viele Aktionen bei denen jemand für eine Organisation Geld sammelt, indem er oder sie etwas Verrücktes oder Schweres tut, wie z.B. ein Marathon laufen. Oder einen 5K (= Fünfkilometerlauf). Denn meistens sind das Menschen, die sowas noch nie gemacht haben und nur wegen eines persönlichen Schicksalsschlages oder für ein Familienmitglied oder Freund das Geld sammeln. Es gibt alleine in Schottland ca. 20’000 registrierte Wohltätigkeitsorganisationen.

Wer britischen Berühmtheiten auf Twitter folgt, wird es öfter gesehen haben, dass Leute um Retweets bitten, die für eine Aktion Geld sammeln. Meist laufen oder radeln sie ein normales Rennen oder es ist ausgefallener und sie machen Skydiving, eine Radtour durch Afrika oder was auch immer. Bei Laufveranstaltungen ist der Großteil der Teilnehmer für einen guten Zweck unterwegs und z.B. das Edinburgh Marathon Festival kooperiert offiziell mit einer Krebs-Organisation.

Und da kommt nun der persönliche Grund ins Spiel. Ich werde am Sonntag den Halbmarathon laufen und habe neulich meine Details überprüft. Wenn man sich in seinen Account einloggt und unverständlicherweise (noch) nicht für eine Organisation läuft, kann man das jederzeit ändern, was besonders gerne gesehen wird, da man ja selber das Startgeld bezahlt hat. Ich habe dann spontan beschlossen, dass ich (mindestens) 50 Pfund für Amnesty International sammeln werde. Das ist denkbar einfach, denn man sucht sich einfach eine Organisation aus, erstellt eine justgiving-Seite und dann geht das Betteln los!

Sponsore mich und spende für Amnesty International!

Sponsore mich und spende für Amnesty International!

Da ich das nun erwähnt habe und bestimmt ganz viele von Euch Amnesty International unterstützen wollen, dürft/könnt/sollt Ihr das auch tun! Es kann in praktisch jeder erdenklichen Währung gespendet werden. Per SMS funktioniert aus Deutschland natürlich nicht so gut, aber Kreditkarten und Paypal (funktioniert nur, wenn man GBP als Währung auswählt…) werden auch unterstützt. Bitte hier entlang!

Nach diesem schamlosen Bettelversuch noch ein dämpferischer Abschluss. Der Nachteil bei verrückten Veranstaltungen ist der Druck, dass man erst teilnehmen darf, wenn man garantieren kann, eine bestimmte Summe zu sammeln. Bei The Ultimate Abseil z.B. darf man sich von der Forth Bridge stürzen, muss aber 150 Pfund zusammenbetteln. Das ist natürlich legitim, weil es ein ungewöhnliches Erlebnis ist, aber ich finde ein Geschmäckle hat es schon. Vielleicht bin ich aber einfach nicht britisch genug.

Die Serie “Leben im UK als Deutscher” ist eine Gastbeitrag-Reihe von Julia, die normalerweise auf 49suns.de schreibt. Derzeit lebt sie in Edinburgh und von dort berichtet sie über ihre Erfahrungen auf der Insel.

In deutschen Landen haben die ersten Fleißigen schon ihre Steuererklärung abgegeben, doch hier im UK hat das alles noch Zeit. Ende Januar war kurz die Aufregung bei den Prokrastinierern groß, denn die Deadline für die Online-Abgabe für das Jahr 2011/2012 lief ab (Quelle) und danach muss man Strafe zahlen (gleicher Link, etwas weiter unten).

Doch warum so spät, wird der verwirrte Deutsche fragen. Nun das Steuerjahr geht vom 6. April bis 5. April. Warum das so krumm ist, hängt mit dem Kalenderwechsel im 18. Jahrhundert zusammen (Quelle). Die Briten sind ja gerne traditionell.

Neben der Einkommensteuer gilt dieses Datum auch für den sogenannten Council Tax, den jeder je nach Wert des Wohnraumes bezahlen muss. Das wird dann für lokale Dinge wie Schulen, Bibliotheken und Abfallentsorgung verwendet. Dazu kommen (Ab-)Wasserkosten. In Deutschland ist das für eine Mietwohnung meistens in den Nebenkosten enthalten. Meistens, weil z.B. in meinem vorherigen Wohnort Allensbach jeder Zugezogene seine Müllbeutel inkl. Rechnung beim Rathaus abholen muss und ab dem zweiten Jahr zugeschickt bekommt. Das nur am Rande.

Hier muss man sich bei Einzug für den Council Tax anmelden und je nach Wert des Hauses wird man in ein “Band” eingeteilt, der einem bestimmten Betrag Steuer entspricht. Klingt bescheuert und willkührlich, aber die haben sich sicher was dabei gedacht. Bei Mehrfamilienhäusern gilt das Band pro Wohnung. Dabei wird immer davon ausgegangen, dass zwei oder mehr Personen dort wohnen. Wer alleine wohnt (“when there are fewer than two residents”), bekommt 25% Rabatt, worüber ich sehr dankbar bin.

Es gibt weitere Reduzierungen bzw. Befreiung vom Council Tax, wenn man Student, bedürftig und/oder älter ist. Aber damit musste ich mich zum Glück noch nicht beschäftigen. Soweit ich das von meinem Studentendasein in Erinnerung hbe, müssen alle zahlen, wenn mindestens ein Nicht-Student in der Wohnung wohnt. Das wurde mir zumindest bei einer Wohnungsbesichtigung gesagt und da schluckt man dann schon, wenn das noch zusätzlich zur Miete gezahlt werden muss.

Mittlerweile muss ich natürlich zahlen und das sollte man bei der Kalkulation für die Schmerzgrenze an Miete mit einbeziehen. Das Ändern auf den “single person discount” hat relativ einfach geklappt und ich kann alle Rechnungen online einsehen:

Das Thema ist übrigens für dieses Steuerjahr schon abgehakt, denn man kann einen monatlich etwas höheren Betrag wählen und dann schon im Januar die letzte Rate zahlen.

Die Serie “Leben im UK als Deutscher” ist eine Gastbeitrag-Reihe von Julia, die normalerweise auf 49suns.de schreibt. Derzeit lebt sie in Edinburgh und von dort berichtet sie über ihre Erfahrungen auf der Insel.

Eine weitere seltsame Eigenheit hierzulande ist die völlige Ignoranz gegenüber demjenigen, der an einer bestimmten Adresse wohnt. Die Royal Mail hat die Aufgabe, eine Sendung an die angegebene Adresse zu liefen. Egal, ob die dort lebende Person mit dem Namen auf dem Brief übereinstimmt. Klingt komisch, ist aber so.

Es ist wesentlich seltener, dass ein Name an der Türklingel oder an der Wohnungstür steht. Die meisten Mehrfamilienhäuser und Apartmentblocks haben nur Nummern als Klingel. Das heisst entsprechend, dass auf jeden Fall die Wohnungsnummer in der Adresse enthalten sein muss. Manche Häuser haben auch Namen, so dass dies als Angabe ausreicht. Da die Postleitzahlen oft auf eine einzige Strasse hinweisen, reicht es theoretisch, Hausnummer (plus Wohnung) und die Postleitzahl anzugeben und der Brief kommt an!

Normal

Man könnte jetzt denken, dass so Nachsendeaufträge schwer möglich sind, aber irgendwie schafft die Royal Mail das doch. Theoretisch zumindest, ich habe es noch nicht ausprobiert. Soweit ich das verstanden habe, ist das auch kostenlos und auf unbestimmte Zeit. Die Deutsche Post dagegen verkauft nur sechs- oder zwölfmonatige Weiterleitungen.

Anscheinend ist das den meisten Menschen aber nicht bewusst oder egal, denn ich bekomme regelmäßig Post für meine Vormieter. Ich weiß, dass einer eine Fahrschule hat(te), einer ein Kind, das Impfauffrischungen braucht, dass einer keine Kreditkarte von seiner Bank möchte und dass einer demnächst wieder einen kostenlosen Augenuntersuchungstermin wahrnehmen kann.

no junk mail

Dieses System hat natürlich Vor- und Nachteile. Einerseits ist es praktisch und bedeutet weniger Verwaltungsaufwand. Wenn ich meine Adresse online angebe, reicht die Postleitzahl und ich kann aus einer Auswahlliste die Hausnummer aussuchen. Bei Umzug kann ich einfach sicherstellen, dass meine Post weitergeleitet wird (s.u.). Auf der anderen Seite muss ich höllisch aufpassen auch ja die richtige Wohnung auszuwählen. Ich vertraue zwar darauf, dass meine Nachbarn bei Falschzustellung mir den Brief übergeben, aber garantieren kann ich das nicht, vor allem da mich nicht alle beim vollen Namen kennen. Und wenn man vergessliche/ignorante Vormieter hatte, bekommt man deren ganze Werbepost und Erinnerungsbriefe. Die Anzahl der Vormieter ist auch recht hoch, da oft umgezogen wird, wie wir schon festgestellt haben.

Da mich die unnötige Post nervt, habe ich einen Tipp befolgt, den ich bei Zero Waste Scotland gefunden habe. Beim Mail Preference Service kann man sich selber von Werbemails abmelden (sofern diese von der Royal Mail befördert werden), vorherige Empfänger abmelden, seine alte Adresse anmelden oder einen Verstorbenen melden. Es dauert zwar bis zu vier Monate, bis das voll durchgreift, aber immerhin gibt es diese Möglichkeit. Ob es tatsächlich wirkt, werde ich ja bald merken.

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Ja, auch hier schneit es manchmal und im Januar sogar ein paar Zentimeter, die sogar bleiben sollen. So sah es an einem Samstagmorgen beim Blick aus dem Fenster aus:

Es schneit tatsächlich auuch in Schottland

Schneeflöckchen, Weißröckchen, wwwmmmmbbmmbwbwwwbbb

Am Dienstag davor gab es die erste Ladung und durch ungünstige Umstände (Schneefall mittags, Sonne nachmittags, Frost nach Einbruch der Dunkelheit) war der Heimweg eine große Rutschpartie. Mich hat es zweimal mit dem Rad hingelegt, da meine schicken blauen Rennradreifen kein Profil haben. Mein Steißbein hat über zwei Wochen geschmerzt und ich bin den Rest des Weges (inkl. Umweg, da an der Landstraße kein Gehweg ist) nach Hause gelaufen.

Doch das soll nicht Thema sein. Das Problem war, dass trotz Priorität 1 der fraglichen Straßen noch nicht gestreut war, obwohl einige Stunden seit Schneefall vergangen waren. Laut dem Plan der Stadtverwaltung werden diese Straßen vorsorglich und als erstes bei Schnee und Eis gestreut. Pustekuchen! Selbst am nächsten und übernächsten Tag waren noch Eisreste zu sehen. Da ich kein Risiko eingehen wollte, bin ich eine Woche auf den Bus umgestiegen. Vom oberen Stockwerk kann man wunderbar den Straßenzustand beobachten.

Es schneit doch öfters.

Im Dezember war es nur ein bisschen Puderzucker

Hier wird einfach anders kalkuliert und das Chaos bei den seltenen Wintereinbrüchen in Kauf genommen. Wie Konstantin schon schrieb (Bericht aus London), gibt es wesentlich weniger Räumfahrzeuge und kaum Winterreifen. Ich habe das Thema mal auf Arbeit angesprochen und keiner wusste, dass die sich schon ab 7°C lohnen und nicht nur bei Schnee sinnvoll sind. Kann das evtl. mit Versicherungen zusammenhängen? Ich meine, dass in Deutschland ein Anreiz besteht, mit Winterreifen zu fahren.

Außerdem ist es nicht üblich, dass Anwohner Gehwege freiräumen. Der Grund ist dass Viele fürchten, sonst verklagt zu werden. Klingt komisch, ist aber so. Wenn ich räume, gebe ich zu, dass ein Problem besteht, denn ich habe versucht, es zu beseitigen. Wenn sich dann jemand die Hüfte bricht, bin ich schuld, denn ich habe nicht gründlich genug geräumt. Hätte ich nichts getan, wäre der gebrechliche Fußgänger von alleine darauf gekommen, vorsichtig zu sein und wäre nicht gefallen. So zumindest die Logik. Auf dieser Regierungsseite wird darauf hingewiesen, dass es unwahrscheinlich ist, dass man verklagt wird. Aber man weiß ja nie… In Deutschland ist das anders und natürlich gründlich geregelt. Wer sich für die Details interessiert kann das hier bei Sascha nachlesen.

Mein Rennradreifenproblem habe ich dadurch gelöst, dass ich mir einen passenden Winterreifen geholt habe. Ja, einen, denn erstens ist das Vorderrad das größere Problem und zweitens war es mir wegen der Nabenschaltung zu anstrengend, den Hinterreifen zu wechseln. Es hat entsprechend auch gut geklappt, dass ich den weiteren Schnee meistern konnte. Aber der Winter ist ja noch nicht vorbei…

“Highly recommended” ist eine Gastbeitrag-Reihe von Sladjana, die in einem idealen Monat mindestens 40 Filme gesehen, 24,5 Bücher gelesen und 200 neue CDs gehört hat. Derzeit plant sie nicht ihre Flucht nach Gretna Green und darf in der Zwischenzeit auf dem Englisch-Blog ihre besten Entdeckungen mit Bezug zur englischen Sprache weiterempfehlen.

Das Jahr neigt sich langsam dem Ende zu und ich überlege, welche 2012 erschienenen Filme den größten Eindruck hinterlassen haben. 
Im August konnte man Channing Tatums nackten Oberkörper wohl nur entgehen, wenn man zu der Zeit auf dem Mond unter einem Stein lebte. Steven Soderberghs 25. Kinofilm (der Mann ist erst 50!) “Magic Mike” erzählt – laut dem deutschen Trailer und Medienberichten – nichts. 
Nach dem Trailer dachte ich mir “Supi, Channing hat wieder Gewichte über seinen scheinbar leeren Schädel gehoben” und ordnete den Film unbarmherzig in die Rubrik “sinnlose Tanzfilme ein”.


Durch einen, wie sich herausstellen sollte, glücklichen Zufall kam ich aber schließlich an Previewkarten und beschloss, dass es an der Zeit war, einen neuen Hassfilm zu finden. “Magic Mike” schien sich mit einem tanzenden Tatum und Matthew McConaughey hervorragend dafür anzubieten. Denkste! 111 Minuten vergingen wie im Flug (Idiom: Time flies when you’re having fun!) und ich musste gegenüber meiner Begleitung kleinlaut zugeben, dass ich gerade so positiv überrascht worden war, wie lange nicht mehr. In seinen besten Momenten erinnert “Magic Mike” an Soderberghs mit der Goldenen Palme prämiertes Erstlinkswerk “Sex, Lies, and Videotape” – jung, unkonventionell & intelligent.

 Wir lernen also wieder einmal: Joni Mitchell hat eigentlich immer Recht. 1994 sang sie auf ihrem 15. Studioalbum “Turbulent Indigo”, dass sex nicht nur sells, sondern auch killt.

In einem Land, das sein Publikum scheinbar für minderbemittelt hält und sensible Filme wie “Lars und die Frauen” vollkommen unpassend und banalisierend mit “Die echt schräge Beziehungs-Kiste” bewirbt, sollte man die Augen am besten konstant verdreht halten; aber bloß nicht verschließen ;) 

 Auch mein Favorit für dieses Jahr, “The Perks of Being a Wallflower” (perk(s) of sth. = die Vorteile von etwas, wallflower = Mauerblümchen) wirkt im Trailer eher wie eine Verfilmung feierwütiger US-amerikanischer Teenies, als wie der – zugegeben schwierig zu verpackende – eigentliche Inhalt der Coming-Of-Age Literaturverfilmung. Ich kenne das Buch nicht, aber Autor & Regisseur Stephen Chbosky hat einen wundervollen Film daraus entwickelt, der sich bei mir nicht zuletzt wegen David Bowies “Heroes” im Nachhinein stark eingebrannt hat. Ezra Miller würde ich im kommenden Jahr gerne häufiger sehen – nach dem Drama “We Need To Talk About Kevin” zeigt er hier eine ganz andere Facette von sich und überzeugt ebenso stark.



So, und jetzt warten “Anna Karenina”, “Der Hobbit”, “Life of Pi” und noch viele, viele, viele Filme mehr auf mich und ich verabschiede mich mit einer Frage und Bitte: Welche Filme haben Euch dieses Jahr besonders gefallen? Irgendwelche Tipps?

Die Serie “Leben im UK als Deutscher” ist eine Gastbeitrag-Reihe von Julia, die normalerweise auf 49suns.de schreibt. Derzeit lebt sie in Edinburgh und von dort berichtet sie über ihre Erfahrungen auf der Insel.

Die Temperaturen sind auch hierzulande mittlerweile um die Null Grad und wir hatten sogar schon ein paar Schneeflocken. Als Normalsterblicher begegnet man diesem Naturereignis mit entsprechend angepasster Kleidung. Briten, und ganz besonders Schotten, fallen allerdings nicht in diese Kategorie. Die laufen immer noch hier und da mit T-Shirts oder kurzen Stoffhosen und Chucks durch die Gegend. Seitdem ich darauf achte, sind die Jogger in Shorts in der eindeutigen Mehrheit. Selbst bei knapp unter Null und Eis auf den Straßen lässt die präferierte Laufkleidung die Beine frei. Zu beobachten z.B. auch beim Great Winter Run vor vier Jahren:

Great Scottish Winter Run 2009

Beim nächsten Mal werde ich auch dabei sein, aber garantiert mit langer Hose und Thermounterhemd. Ich habe mal einen Läufer gefragt, warum er denn unbedingt Shorts anzieht und er meinte “they are much more comfortable than those long running tights”. Seltsame Vorstellung von Komfort! Als Test bin ich auch einige Male bei ca. fünf Grad mit Dreiviertelhose laufen gewesen und es ist tatsächlich auszuhalten. Kurzärmelig würde ich allerdings nicht empfehlen, denn die Arme frieren sonst evtl. ab. Auf dem Rad werde ich das nicht testen, wobei ich in den letzen Tagen einige Unerschrockene mit knielangen Hosen gesehen habe.

Ein Argument, das ich öfter gehört habe, war “You dress for the second mile”. Das hat tatsächlich seinen Sinn, denn auch wenn man anfangs friert, hat man den ganzen Rest der Strecke adäquate Kleidung. Ist allerdings doof, wenn man nicht munter durch die Gegend radelt, sondern bibbernd an der Bushaltestelle steht.

Man könnte nun sagen, dass Sportler eine besondere Spezies sindt. Doch weit gefehlt. Wie schon erwähnt, sieht man auch hin und wieder Leute im T-Shirt oder Bermuda-Shorts, z.B. im Bus. Es kann natürlich sein, dass meine selektive Wahrnehmung mir hier einen Streich spielt, aber ich bin fest davon überzeugt, dass in Deutschland wesentlich weniger Menschen bei diesen Temperaturen mit nicht adäquater Kleidung rumlaufen.

Hummer Limo
(Party in Glasgow – laut Beschriftung aufgenommen am 1. Januar)

Ein weiterer Spezialfall sind Mädels, die nachts am Wochenende in Miniröcken und bauchfreiem Top durch die Innenstädte taumeln. Als Erklärung wurde mir vermittelt, dass das daran liegt, dass man in den meisten Clubs für die Garderobe zahlen muss. Man spart also ein Pfund pro Club, um sich dann einen Cocktail mehr leisten zu können. Oder alternativ eine bessere Prothese. Laut einem Museum im Edinburgh Castle ist die Amputationsrate aufgrund von Zirkulationsproblemen zehnmal höher als durch Unfälle (laut der National Amputee Statistical Database). Wobei das eher auf Diabetes, Rauchen und Krankheiten zurückzuführen sein wird, aber der sorglose Umgang mit ausreichenden Kleidungsschichten spielt sicher eine Rolle.

Als Lektion dieser Ausgabe nehme ich also mit, dass es nicht immer mollig warm beim Aus-der-Türe-gehen sein muss, aber das man trotzdem der Kälte ausreichend vorbereitet begegnen sollte. Der goldene Mittelweg wie es so schön heißt.

Die Serie “Leben im UK als Deutscher” ist eine Gastbeitrag-Reihe von Julia, die normalerweise auf 49suns.de schreibt. Derzeit lebt sie in Edinburgh und von dort berichtet sie über ihre Erfahrungen auf der Insel.

Willkommen zum dritten Teil meiner kleinen Serie, wo es diesmal um die angekündigte Sahne gehen soll. Wie auch bei der Milch gibt es hier fetthaltige Unterschiede. Wie ich gerade bei Wikipedia gelernt habe “ist [Sahne] physikalisch gesehen eine Emulsion von Milchfett in Wasser, die daraus durch Emulsionsumkehr hergestellte Butter eine Emulsion von Wasser in Milchfett.”

Muss man nicht unbedingt wissen, denn es reicht, dass es in Deutschland süße und saure Sahne gibt. Grob gesagt. Bei der sauren kann man noch Schmand und Crème fraîche hinzuzählen, aber meine Geschichte handelt von Schlagsahne. Ich stand im Supermarkt und brauchte für einen Nachtisch (für geladene Gäste!) Schlagsahne, d.h. whipping cream, die aber nicht aufzufinden war. Es gab nur single, double und clotted cream. Da mir die double cream als viel zu dick und schwer in Erinnerung war, habe ich single cream genommen, was ein fataler Fehler war.

Crème chantilly

Nach mehreren Minuten vergeblichen Rührens habe ich parallel auf dem Handy im Internet nach Erklärungen gesucht und herausgefunden, dass die 18% Fett nicht ausreichen, denn damit die Sahne steif wird, benötigt es mindestens 30%. Wieder was gelernt! Die single cream wird hier so wie sie ist über den Kuchen oder die Erdbeeren gegossen. Mir kommt das nicht sehr appetitlich vor, aber ist sicherlich nur Gewöhnungssache.

Umgekehrt rümpfen die Briten sicherlich die Nase über die deutsche Kaffeesahne mit 10%. Diese wird zwar immer seltener benutzt, aber meine Großeltern können sich kaum etwas anderes in den Kaffee vorstellen. Hierzulande ist das wiederum die half cream (12%, laut Wikipedia “uncommon, some cocktails”). Für den deutschen Kaffee wird vielleicht noch Kondensmilch akzeptiert, welche normalerweise 10% Fettgehalt hat.

Mmm Condensed Milk

Mit dieser habe ich bei der Fudgeherstellung nähere Bekanntschaft gemacht. Doch auch hier gibt es Unterschiede zum angloamerikanischen Raum, denn condensed milk ist normalerweise kräftig gesüßt, so dass sie mehr einem Sirup gleicht. Das kann man auf dem Bild erahnen. Jedenfalls ist damit das Fudgekochen wesentlich einfacher. (Der eigentliche Trick ist langsames Erhitzen über anderthalb bis zwei Stunden, aber man kann das Nichtgelingen ja trotzdem auf die falschen Zutaten schieben.)

Zurück zu meiner nicht steif gewordenen Sahne. Der Nachtisch war so natürlich ruiniert, aber er hat trotzdem gut geschmeckt. Für das nächste Mal weiß ich Bescheid und suche nach der whipping cream. Aber da ich hier ja nun einfachen Zugriff auf double cream habe, sollte ich öfter mal wieder Eton Mess machen. Am besten mit gerösteten Mandeln, mjam.

Mit diesem etwas essenslastigen Beitrag entlasse ich Euch in den Dezember. Guten Appetit!

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