Leben im UK als Deutscher (Liukad) #5: Schnee

Die Serie “Leben im UK als Deutscher” ist eine Gastbeitrag-Reihe von Julia, die normalerweise auf 49suns.de schreibt. Derzeit lebt sie in Edinburgh und von dort berichtet sie über ihre Erfahrungen auf der Insel.

Ja, auch hier schneit es manchmal und im Januar sogar ein paar Zentimeter, die sogar bleiben sollen. So sah es an einem Samstagmorgen beim Blick aus dem Fenster aus:

Es schneit tatsächlich auuch in Schottland

Schneeflöckchen, Weißröckchen, wwwmmmmbbmmbwbwwwbbb

Am Dienstag davor gab es die erste Ladung und durch ungünstige Umstände (Schneefall mittags, Sonne nachmittags, Frost nach Einbruch der Dunkelheit) war der Heimweg eine große Rutschpartie. Mich hat es zweimal mit dem Rad hingelegt, da meine schicken blauen Rennradreifen kein Profil haben. Mein Steißbein hat über zwei Wochen geschmerzt und ich bin den Rest des Weges (inkl. Umweg, da an der Landstraße kein Gehweg ist) nach Hause gelaufen.

Doch das soll nicht Thema sein. Das Problem war, dass trotz Priorität 1 der fraglichen Straßen noch nicht gestreut war, obwohl einige Stunden seit Schneefall vergangen waren. Laut dem Plan der Stadtverwaltung werden diese Straßen vorsorglich und als erstes bei Schnee und Eis gestreut. Pustekuchen! Selbst am nächsten und übernächsten Tag waren noch Eisreste zu sehen. Da ich kein Risiko eingehen wollte, bin ich eine Woche auf den Bus umgestiegen. Vom oberen Stockwerk kann man wunderbar den Straßenzustand beobachten.

Es schneit doch öfters.

Im Dezember war es nur ein bisschen Puderzucker

Hier wird einfach anders kalkuliert und das Chaos bei den seltenen Wintereinbrüchen in Kauf genommen. Wie Konstantin schon schrieb (Bericht aus London), gibt es wesentlich weniger Räumfahrzeuge und kaum Winterreifen. Ich habe das Thema mal auf Arbeit angesprochen und keiner wusste, dass die sich schon ab 7°C lohnen und nicht nur bei Schnee sinnvoll sind. Kann das evtl. mit Versicherungen zusammenhängen? Ich meine, dass in Deutschland ein Anreiz besteht, mit Winterreifen zu fahren.

Außerdem ist es nicht üblich, dass Anwohner Gehwege freiräumen. Der Grund ist dass Viele fürchten, sonst verklagt zu werden. Klingt komisch, ist aber so. Wenn ich räume, gebe ich zu, dass ein Problem besteht, denn ich habe versucht, es zu beseitigen. Wenn sich dann jemand die Hüfte bricht, bin ich schuld, denn ich habe nicht gründlich genug geräumt. Hätte ich nichts getan, wäre der gebrechliche Fußgänger von alleine darauf gekommen, vorsichtig zu sein und wäre nicht gefallen. So zumindest die Logik. Auf dieser Regierungsseite wird darauf hingewiesen, dass es unwahrscheinlich ist, dass man verklagt wird. Aber man weiß ja nie… In Deutschland ist das anders und natürlich gründlich geregelt. Wer sich für die Details interessiert kann das hier bei Sascha nachlesen.

Mein Rennradreifenproblem habe ich dadurch gelöst, dass ich mir einen passenden Winterreifen geholt habe. Ja, einen, denn erstens ist das Vorderrad das größere Problem und zweitens war es mir wegen der Nabenschaltung zu anstrengend, den Hinterreifen zu wechseln. Es hat entsprechend auch gut geklappt, dass ich den weiteren Schnee meistern konnte. Aber der Winter ist ja noch nicht vorbei…

Leave a Reply