Die Schlammschlacht im US-Wahlkampf ist nun wohl eröffnet. In den deutschen Medien kursiert seit dem Wochenende die Aussage eines McCain-Sprechers, in der die Deutschen im Zusammenhang mit dem Deutschlandbesuch von Barack Obama als “kriecherisch” bezeichnet werden.

Aus sprachlicher Sicht hat mich jedoch interessiert, was dieser Sprecher im Original auf Englisch gesagt hat. Mit etwas Mühe ist es mir gelungen, den O-Ton des McCain-Sprechers Tucker Bounds zu finden. In Richtung Obama sagte er folgendes:

“He prioritizes throngs of fawning Germans over meeting with wounded combat troops in Germany.”

Sehen und hören kann man das ganze hier .

“Throngs of people” heißt auf Deutsch so viel wie “Scharen von Menschen”. “Fawning” heißt “kriecherisch” und leitet sich ab von “to fawn”, was man häufig mit “katzbuckeln” übersetzt.

Kommentare

  1. Marleen 29. Juli 2008 - 14:39

    “Fawning” klingt aber nicht so negativ wie “kriecherisch”. Durch die Übersetzung ist die Aussage abfälliger geworden, würde ich sagen. “To fawn” kann man ja auch für “umschwärmen” verwenden…

  2. Armin 29. Juli 2008 - 15:53

    Kriecherisch ist vielleicht etwas stark, aber fawning hat schon einen negativen Unterton. Umschwaermen halte ich da fuer etwas zu schwach, vielleicht eher anbeten, anhimmeln, idolisieren oder etwas in der Art.

  3. Markus Brendel 29. Juli 2008 - 16:21

    Ich denke, dass “fawning” definitiv einen negativen Unterton im Englischen besitzt. “Umschwärmen” halte ich für zu schwach. Es geht eher in die Richtung von “jmd. hofieren”. Inhaltlich hat Bounds m. E. ein Wort auf der inhaltlichen Ebene von “einschleimen” gesucht.

    Hier die Erklärung von Merriam Webster: http://www.merriam-webster.com/dictionary/fawning

  4. projektleiterin 29. Juli 2008 - 18:41

    “to fawn” und “to fawn over” is aber trotzdem nicht das gleiche, oder? Ich kannte bis jetzt nur “to fawn over”, was für mich so viel bedeutet wie “anhimmeln”.

  5. Thomas Kiwispotter 30. Juli 2008 - 04:25

    Tja, das hat man davon, dass man nur in Schwarz und weiß denkt. Wobei hier schwarz für Bush und nicht Obama steht, was dann auch farbig pigmentiert wäre. Auf jeden Fall führt das sowohl zur vorbehaltslosen Verachtung wie vice versa.

    Und man kann Obamas Reise auch viel schöner ausdrücken. Sehr lesenswert in der Times Online:

    Then the Child ventured forth from Israel and Palestine and stepped onto the shores of the Old Continent. In the land of Queen Angela of Merkel, vast multitudes gathered to hear his voice, and he preached to them at length.

    http://www.timesonline.co.uk/tol/comment/columnists/gerard_baker/article4392846.ece

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